Fachkräfteengpässe

Wohlstand und Arbeitsplätze gefährdet

Deutschland steht vor einer historischen Zäsur. Die sog. Babyboomer-Generation geht jetzt schrittweise in den Ruhestand. Für den Arbeitsmarkt könnten in zehn Jahren 6 Mio. Menschen im erwerbsfähigen Alter weniger zur Verfügung stehen. Lösungen sind gefragt.

Gut qualifizierte Arbeitskräfte sind das Fundament unserer Volkswirtschaft. Fachkräftesicherung ist deshalb die zentrale Herausforderung. Mehr Wohnungsbau, schnelles Internet, gute Kinderbetreuung und angemesseneVersorgung im Alter sind – um einige Beispiele zu nennen – nur mit ausreichend Fachkräften umzusetzen. Unternehmen können ohne dringend benötigte Fachkräfte nicht erfolgreich sein. Der Mangel qualifizierten Personals gefährdet zunehmend Aufträge und verhindert notwendige Investitionen. Bereits jetzt bestehen in zahlreichen Branchen und Regionen Fachkräfteengpässe, insbesondere in Pflegeberufen, im Handwerk und im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).

Um die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit Deutschlands und den Wohlstand für alle langfristig zu sichern, braucht es ein entschlossenes und gemeinsames Handeln von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Der wirtschaftliche Erfolg unseres Landes ist sonst gefährdet und damit auch seine gute soziale Verfassung.

Die geburtenstarken Jahrgänge (Babyboomer) erreichen bald das Rentenalter und weniger starke Jahrgänge erreichen den Arbeitsmarkt

Anzahl an Personen in Deutschland nach Alter im Jahr 2020

Quelle: Statistisches Bundesamt, 14. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung
(Variante 1 für das Jahr 2020), 2019

Gesamtstrategie als Schlüssel zum Erfolg

Zur Fachkräftesicherung ist deshalb eine ausgewogene Gesamtstrategie notwendig. Sie muss alle inländischen Potenziale aktivieren sowie ausländische Fachkräfte gewinnen. Aus- und Weiterbildung sind dabei die wichtigsten Eckpfeiler. Die Unternehmen investieren so schon jetzt über 50 Mrd. € in die Fachkräfte von morgen. Reformen zur Qualitätsverbesserung im gesamten Bildungssystem sind dringend notwendig. Sie betreffen die frühkindliche Bildung, die allgemeinbildenden Schulen und die Hochschulen. Viele Frauen, Ältere und Menschen mit Behinderungen sind bisher noch nicht in dem Maße am Arbeitsmarkt aktiv, wie es möglich wäre. Hier gilt es, gemeinsam Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Der Ausbau von Ganztagsbetreuungsplätzen und die Flexibilisierung des Übergangs vom Arbeitsleben in die Rente sind dabei wichtige Ansatzpunkte.

Gezielte Zuwanderung unverzichtbar

Unverzichtbar ist auch eine gezielte Zuwanderung qualifizierter ausländischer Fachkräfte aus der EU und aus Drittstaaten. Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz sind die rechtlichen Grundlagen für die Zuwanderung aus Drittstaaten verbessert worden. Die eigentliche große Herausforderung liegt allerdings in der administrativen Umsetzung der neuen Möglichkeiten insbesondere durch unsere Auslandsvertretungen, die Ausländerämter und die Arbeitsagenturen. Dazu müssen einerseits Verfahren digitalisiert und massiv beschleunigt werden. Andererseits müssen Fachkräfte im Ausland, die gern nach Deutschland einwandern würden, mit interessierten Arbeitgebern zusammengebracht werden.

Qualifizierte Fachkräftezuwanderung aus Drittstaaten erleichtern

Zuzüge aus Drittstaaten, in Tsd.; Anteil der Zuwanderer zum Zweck der Erwerbsmigration an allen Zuzügen aus Drittstaaten, in %

Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2020

» Zur Fachkräftesicherung müssen wir alle inländischen Talente fördern und gleichzeitig qualifizierte Menschen aus dem Ausland für uns gewinnen. «

Brigitte Faust
Präsidiumsmitglied der BDA, Vorsitzende BDA-Ausschuss für Arbeitsmarktfragen, Präsidentin Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss

Foto: © obs/Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss e. V. (ANG)/Alexander Belegante, ANG

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